Moderne Zapfsäule mit digitaler Anzeige und verschiedenen Kraftstoffsorten an einer Tankstelle.

Günstiger tanken: So lohnt sich der Echtzeitvergleich

Von der Exteams-Verbraucherredaktion

Ein Cent Preisunterschied spart bei 50 Litern genau 50 Cent. Ob eine günstigere Tankstelle wirklich die bessere Wahl ist, entscheidet sich aber erst nach Abzug der zusätzlichen Fahrtkosten. Autofahrer sollten deshalb aktuelle Preise in ihrer Umgebung vergleichen, Tankmenge und Umweg einrechnen und bundesweite Durchschnittswerte nur zur Einordnung nutzen.

Für die Entscheidung beim nächsten Tankstopp genügen meist drei Angaben:

  • Preisabstand je Liter zwischen zwei erreichbaren Tankstellen
  • voraussichtliche Tankmenge statt maximales Tankvolumen
  • zusätzliche Strecke und realistische Kosten des eigenen Autos

Woher die angezeigten Kraftstoffpreise stammen

Tankstellen melden ihre Preisänderungen für Super E5, Super E10 und Diesel an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Diese ist beim Bundeskartellamt angesiedelt. Zugelassene Verbraucherinformationsdienste erhalten die Daten und stellen sie beispielsweise in Apps, auf Webseiten oder in Navigationsangeboten für Preisvergleiche bereit.

Das macht solche Dienste zur passenden Grundlage für eine Entscheidung kurz vor dem Tanken. Eine Anzeige ist dennoch eine Momentaufnahme: Zwischen Abruf, Anfahrt und Ankunft kann eine Tankstelle ihren Preis erneut ändern. Entscheidend sind deshalb ein gut sichtbarer Zeitstempel und ein möglichst kurzer Zeitraum zwischen Vergleich und Tankstopp.

Der ADAC dokumentiert darüber hinaus die Entwicklung der Kraftstoffpreise und ordnet Unterschiede nach Kraftstoffart und Zeitraum ein. Solche Übersichten helfen dabei, das allgemeine Preisniveau zu verstehen. Sie beantworten jedoch nicht, welche konkrete Tankstelle in der eigenen Umgebung gerade am günstigsten ist.

So vergleichen Autofahrer Tankstellen sinnvoll

Zunächst sollte der Suchradius klein bleiben. Eine Station auf der ohnehin geplanten Strecke ist wirtschaftlich meist interessanter als ein etwas günstigeres Angebot mit mehreren zusätzlichen Kilometern. Danach müssen identische Kraftstoffarten verglichen werden: Ein Preis für Super E10 darf nicht versehentlich einem Preis für Super E5 gegenübergestellt werden.

Auch die geplante Menge zählt. Wer nur 20 Liter benötigt, erzielt durch denselben Cent-Abstand weniger Ersparnis als beim Füllen eines fast leeren 50-Liter-Tanks. Die grundlegende Rechnung lautet:

Preisabstand je Liter × Tankmenge = Ersparnis vor Fahrtkosten

Anschließend werden die Kosten der zusätzlichen Hin- und Rückfahrt abgezogen. Dafür lässt sich der Verbrauch des eigenen Fahrzeugs verwenden:

Günstiger tanken: So lohnt sich der Echtzeitvergleich

Zusatzkilometer × Verbrauch je Kilometer × Kraftstoffpreis = zusätzliche Kraftstoffkosten

Diese Rechnung berücksichtigt nur den unmittelbar zusätzlich verbrauchten Kraftstoff. Verschleiß, Reifen und Wertverlust können den Umweg ebenfalls verteuern. Wer mit vollständigen Kilometerkosten rechnet, erhält daher eine strengere und häufig realistischere Entscheidungsgrundlage.

Rechenbeispiel: Was acht Cent bei 50 Litern bringen

Angenommen, eine erreichbare Tankstelle bietet denselben Kraftstoff acht Cent je Liter günstiger an. Bei einer geplanten Tankmenge von 50 Litern ergibt sich:

0,08 Euro × 50 Liter = 4,00 Euro Ersparnis vor Fahrtkosten.

Verursacht die Fahrt zur günstigeren Station zusätzliche Kosten von 1,50 Euro, verbleiben 2,50 Euro. Kosten Umweg und Zeitaufwand zusammen mehr als vier Euro, entsteht trotz des niedrigeren Preises kein wirtschaftlicher Vorteil.

Das Beispiel verwendet bewusst keinen aktuellen Tagespreis. Es zeigt lediglich die Methode. Tatsächliche Preise sollten unmittelbar vor der Fahrt aus einem zugelassenen Verbraucherinformationsdienst übernommen werden – einschließlich Kraftstoffart, Standort sowie Datum und Uhrzeit des Abrufs.

Wann der bundesweite Durchschnitt nicht weiterhilft

Ein bundesweiter Mittelwert beschreibt eine große Zahl unterschiedlicher Märkte. Er kann regionale Unterschiede, einzelne Straßenpreise oder kurzfristige Änderungen nicht zuverlässig abbilden. Auch aus einem sinkenden Durchschnitt folgt nicht automatisch, dass die nächstgelegene Tankstelle ihren Preis bereits reduziert hat.

Für den konkreten Tankstopp ist deshalb diese Reihenfolge sinnvoll:

  1. Benötigte Kraftstoffart und Tankmenge festlegen.
  2. Preise im kleinen Umkreis mit Zeitstempel abrufen.
  3. Angebote auf der geplanten Route bevorzugen.
  4. Bruttoersparnis aus Preisabstand und Litern berechnen.
  5. Zusätzliche Fahrtkosten und persönlichen Zeitaufwand abziehen.
  6. Den Preis an der Zapfsäule vor dem Tanken nochmals prüfen.

Damit wird aus dem bloßen Blick auf den niedrigsten Literpreis eine belastbare Kostenentscheidung. Besonders attraktiv ist ein Angebot, wenn die günstigere Tankstelle ohne nennenswerten Umweg auf einer ohnehin anstehenden Fahrt liegt.

Quelle: Bundeskartellamt

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