Eine beleuchtete Tankstelle in der Nacht zeigt gut lesbare Kraftstoffpreise auf dem Preismast.

Tanken mit Umweg: Wann sich der günstigere Literpreis lohnt

Von der Redaktion Exteams

Bei 40 Litern und fünf Cent Preisunterschied sparen Sie zunächst 2,00 Euro. Kostet die zusätzliche Fahrt 1,08 Euro Kraftstoff, bleiben 0,92 Euro Ersparnis – noch vor Zeitaufwand und weiteren Fahrzeugkosten. Dieses ausdrücklich hypothetische Beispiel zeigt: Entscheidend ist, was nach den Kosten der gesamten Zusatzstrecke vom günstigeren Literpreis übrig bleibt.

Für Autofahrer in Deutschland lässt sich die Entscheidung mit wenigen Angaben vorbereiten: tatsächlich geplante Tankmenge, Preisunterschied, zusätzliche Kilometer und Verbrauch. Prüfen Sie anschließend den tatsächlichen Preis an der Zapfsäule. Gemeldete Preise und der Preis vor Ort können voneinander abweichen.

Auch lesen: Spritpreise vergleichen: So lohnt sich der Umweg zur Tankstelle

Wie Sie die Ersparnis nach den Kraftstoffkosten berechnen

Die Rechnung beginnt mit der Bruttoersparnis. Multiplizieren Sie den Preisunterschied je Liter mit der Menge, die Sie tatsächlich tanken wollen. Verwenden Sie dabei dieselbe Kraftstoffsorte und vergleichbare Angebote. Ein niedrigerer Preis für einen anderen Kraftstoff beantwortet Ihre eigentliche Frage nicht.

Bruttoersparnis = Preisunterschied je Liter × getankte Liter

Danach berechnen Sie den zusätzlichen Kraftstoffbedarf. Dafür teilen Sie die gesamte Zusatzstrecke durch 100 und multiplizieren das Ergebnis mit dem Verbrauch in Litern je 100 Kilometer. Diesen Kraftstoffbedarf multiplizieren Sie anschließend mit einem angenommenen oder bekannten Literpreis.

Zusätzliche Kraftstoffkosten = Zusatzkilometer ÷ 100 × Verbrauch je 100 Kilometer × Literpreis.

Ziehen Sie diese Kosten von der Bruttoersparnis ab. Ein positives Ergebnis bedeutet, dass nach den zusätzlichen Kraftstoffkosten rechnerisch etwas übrig bleibt. Ob der Umweg insgesamt sinnvoll ist, hängt außerdem von Ihrer Zeit, weiteren Fahrzeugkosten und dem tatsächlichen Verbrauch auf der Strecke ab.

Was bei 40 Litern und zehn Zusatzkilometern übrig bleibt

Alle folgenden Werte sind rein hypothetische Annahmen. Sie sind keine aktuellen Zapfsäulenpreise und keine aktuellen Messwerte des ADAC. Das Beispiel dient ausschließlich dazu, die Rechnung nachvollziehbar zu machen.

Rechengröße Annahme oder Ergebnis
Tatsächlich getankte Menge 40 Liter
Preisunterschied je Liter 0,05 Euro
Bruttoersparnis 40 × 0,05 Euro = 2,00 Euro
Gesamte Zusatzstrecke 10 Kilometer
Angenommener Verbrauch 6 Liter je 100 Kilometer
Zusätzlicher Kraftstoffbedarf 10 ÷ 100 × 6 = 0,60 Liter
Angenommener Kraftstoffpreis 1,80 Euro je Liter
Zusätzliche Kraftstoffkosten 0,60 × 1,80 Euro = 1,08 Euro
Verbleibende Ersparnis 2,00 − 1,08 Euro = 0,92 Euro

Von den zunächst gesparten 2,00 Euro wird damit mehr als die Hälfte für den zusätzlichen Kraftstoff verbraucht. Die verbleibenden 0,92 Euro sind keine vollständige Nettoersparnis: Zeitaufwand, Verschleiß und andere zusätzliche Kosten sind noch nicht berücksichtigt.

Auch die Tankmenge verändert das Ergebnis deutlich. Wer unter denselben Annahmen nur 20 Liter tankt, spart brutto 1,00 Euro. Bei unveränderten 1,08 Euro zusätzlichen Kraftstoffkosten entsteht bereits ein rechnerischer Nachteil von 0,08 Euro – bevor weitere Kosten hinzukommen.

Welche Kilometer zur Zusatzstrecke gehören

Für die Rechnung zählt die Strecke, die gegenüber Ihrer ohnehin geplanten Fahrt zusätzlich entsteht. Fahren Sie ausschließlich zum Tanken los, müssen Sie die gesamte zusätzliche Hin- und Rückfahrt einbeziehen. Liegt die günstigere Tankstelle fünf Kilometer entfernt, können daraus zehn zusätzliche Kilometer werden.

Verbinden Sie das Tanken mit dem Arbeitsweg oder einem Einkauf, vergleichen Sie die geplante Route mit der Route über die Tankstelle. Nur die Differenz gehört in die Rechnung. Eine Tankstelle acht Kilometer von zu Hause entfernt kann deshalb einen kleineren Umweg verursachen als eine näher gelegene Station abseits Ihrer Route.

Nutzen Sie möglichst die tatsächliche Straßenstrecke. Luftlinie, zusätzliche Abbiegevorgänge oder eine notwendige Rückfahrt liefern sonst ein unvollständiges Bild. Bei einer Fahrt über mehrere Stationen zählen auch die Kilometer der erfolglosen Suche nach einem günstigeren Angebot zur zusätzlichen Strecke.

Tanken mit Umweg: Wann sich der günstigere Literpreis lohnt

Welcher Preisunterschied den Umweg mindestens ausgleicht

Sie können die Rechnung umdrehen: Teilen Sie die zusätzlichen Kraftstoffkosten durch die geplante Tankmenge. Das Ergebnis ist der Preisvorteil je Liter, der mindestens nötig ist, um allein den zusätzlichen Kraftstoff auszugleichen.

Im Beispiel sind das 1,08 Euro geteilt durch 40 Liter, also 0,027 Euro oder 2,7 Cent je Liter. Bei genau diesem Preisunterschied bleibt nach den Kraftstoffkosten rechnerisch nichts übrig. Für Zeit und weitere Fahrzeugkosten wäre weiterhin kein Ausgleich enthalten.

Auch eine maximale Zusatzstrecke lässt sich abschätzen. Mit 2,00 Euro Bruttoersparnis, sechs Litern Verbrauch je 100 Kilometer und 1,80 Euro je Liter liegt die rechnerische Grenze bei rund 18,5 Kilometern. An dieser Grenze ist die gesamte Bruttoersparnis für zusätzlichen Kraftstoff aufgebraucht. Sie ist daher keine Empfehlung, diese Strecke tatsächlich zu fahren.

Wie Zeitaufwand und weitere Kosten die Entscheidung verändern

Ein kleiner positiver Betrag kann durch Wartezeit, Verkehr oder einen längeren Aufenthalt schnell an Bedeutung verlieren. Die Rechnung sagt Ihnen, wie viel Geld nach dem zusätzlichen Kraftstoff übrig bleibt. Sie legt keinen allgemeingültigen Wert für Ihre freie Zeit fest.

Wenn Sie Ihre Zeit ausdrücklich berücksichtigen möchten, können Sie ihr einen persönlichen Wert geben. Multiplizieren Sie die zusätzlichen Minuten mit Ihrem gewählten Wert je Minute und ziehen Sie den Betrag ebenfalls ab. Das ist eine individuelle Entscheidung, kein allgemeiner Kostensatz für Autofahrer.

Weitere Kosten können durch kilometerabhängigen Verschleiß und zusätzliche Gebühren entstehen. Für einen kurzen einzelnen Umweg lassen sie sich häufig nur näherungsweise zuordnen. Bereits ohnehin anfallende Fixkosten müssen Sie für diesen Vergleich nicht pauschal vollständig auf die Zusatzfahrt verteilen.

Auch der Verbrauch verdient einen realistischen Ansatz. Ihr Durchschnittsverbrauch muss nicht dem Verbrauch auf einer kurzen Strecke mit Stopps entsprechen. Wenn das Ergebnis knapp ausfällt, rechnen Sie zusätzlich mit einem etwas höheren Verbrauch. So erkennen Sie, wie empfindlich die Ersparnis auf Ihre Annahmen reagiert.

Warum Sie den Preis an der Zapfsäule prüfen müssen

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe ist beim Bundeskartellamt angesiedelt und stellt Kraftstoffpreisdaten für Verbraucher-Informationsdienste bereit. Solche Informationen helfen beim Vergleich. Gemeldete Preise und der tatsächliche Preis an der Zapfsäule können jedoch abweichen; prüfen Sie deshalb den Preis unmittelbar vor dem Tanken.

Der ADAC bietet Verbraucherinformationen zu Kraftstoffpreisen und zum Tanken. Die Zahlen in dieser Beispielrechnung sind davon unabhängig gewählt. Aus ihnen lässt sich weder ein aktuelles Preisniveau noch eine pauschale Empfehlung für einen bestimmten Tankzeitpunkt ableiten.

Ist der Preisvorteil vor Ort kleiner als erwartet, rechnen Sie mit dem tatsächlichen Unterschied neu. Ein bereits gefahrener Umweg lässt sich nicht rückgängig machen. Weitere Stationen anzufahren verursacht aber zusätzliche Kosten und sollte deshalb erneut geprüft werden.

Diese Angaben brauchen Sie vor der zusätzlichen Fahrt

Für Ihren eigenen Vergleich reichen zunächst fünf Werte. Notieren Sie diese möglichst vor der Abfahrt:

  • Die Literzahl, die Sie tatsächlich tanken wollen.
  • Den Preisunterschied für dieselbe Kraftstoffsorte.
  • Die gesamte zusätzliche Strecke gegenüber Ihrer geplanten Route.
  • Einen realistischen Verbrauch für diese Strecke.
  • Den Literpreis, mit dem Sie den zusätzlichen Kraftstoff bewerten.

Berechnen Sie daraus die verbleibende Ersparnis und vergleichen Sie sie mit dem zusätzlichen Zeitaufwand. Prüfen Sie an der Zapfsäule anschließend Kraftstoffsorte und tatsächlichen Literpreis. Bei einem knappen Ergebnis lohnt besonders der Blick darauf, ob sich der Tankstopp mit einer ohnehin notwendigen Fahrt verbinden lässt.

Quelle: Bundeskartellamt

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Weitere Geschichten