Historische Darstellung österreichischer Infanterie bei einer militärischen Nachstellung in Tschechien.

29. August 1756: Preußens Einmarsch in Sachsen

Von der Exteams-Redaktion · Historischer Jahrestag: 29. August

Am 29. August 1756 überschritten preußische Truppen auf Befehl Friedrichs II. die Grenze zu Kursachsen. Der Einmarsch eröffnete den europäischen Schauplatz des Siebenjährigen Krieges, setzte Sachsen einer jahrelangen Besatzung aus und verband den Konflikt um Schlesien mit dem Machtkampf Großbritanniens und Frankreichs in Übersee.

Kurz eingeordnet:

  • Preußen griff Sachsen an, um einem befürchteten Angriff seiner Gegner zuvorzukommen.
  • Österreich wollte das zuvor an Preußen verlorene Schlesien zurückgewinnen.
  • Großbritannien und Frankreich verbanden den europäischen Krieg mit ihren globalen Rivalitäten.
  • Für die sächsische Bevölkerung bedeutete der Krieg Einquartierungen, Abgaben und Versorgungsdruck.

Der 29. August 1756: Ein Grenzübertritt wird zum Kriegsauftakt

Der Krieg begann in Sachsen nicht mit einer einzelnen großen Schlacht, sondern mit dem Vormarsch preußischer Kolonnen. Friedrich II. von Preußen ließ seine Armee ohne vorherige Kriegserklärung in das benachbarte Kurfürstentum einrücken. Dresden geriet rasch unter preußische Kontrolle, während sich die sächsische Armee bei Pirna sammelte.

Mit Kursachsen ist das damalige Kurfürstentum Sachsen gemeint, nicht der heutige Freistaat in seinen gegenwärtigen Grenzen. Das Land lag zwischen den preußischen Kerngebieten und Böhmen, das zur Habsburgermonarchie gehörte. Seine Straßen, Magazine und Übergänge waren deshalb strategisch bedeutend.

Die bei Pirna eingeschlossenen sächsischen Verbände kapitulierten im Oktober 1756. Friedrich versuchte anschließend, Soldaten der geschlagenen Armee in preußische Einheiten zu übernehmen. Viele blieben jedoch nicht dauerhaft im preußischen Dienst. Der militärische Erfolg beseitigte damit nicht den sächsischen Widerstand gegen die Besatzung.

Warum Friedrich II. zuerst Sachsen angriff

Preußens Lage hatte sich seit den Schlesischen Kriegen verschärft. Friedrich II. hatte Schlesien von Österreich erobert und musste damit rechnen, dass die Habsburgermonarchie diese wirtschaftlich und strategisch wichtige Provinz zurückfordern würde. Zugleich rückten Österreich, Frankreich und Russland politisch näher zusammen.

Friedrich sah Preußen von mächtigen Gegnern bedroht. Sachsen erschien ihm als möglicher Aufmarschraum für einen Angriff aus südlicher Richtung. Durch den Einmarsch wollte er die Initiative behalten, seine Verbindung nach Böhmen öffnen und sächsische Ressourcen dem Zugriff der Gegenseite entziehen.

Diese strategische Erklärung rechtfertigt den Angriff nicht nachträglich. Kursachsen hatte Preußen vor dem Grenzübertritt nicht den Krieg erklärt. Friedrichs Vorgehen war eine präventiv begründete Offensive, die den befürchteten europäischen Krieg nicht verhinderte, sondern unmittelbar auslöste.

Weshalb Schlesien im Mittelpunkt stand

Schlesien war mehr als ein Grenzgebiet. Die Provinz besaß ertragreiche Landwirtschaft, Gewerbe und wichtige Verkehrswege. Ihr Besitz stärkte Preußen, schwächte Österreich und veränderte das Kräfteverhältnis im Heiligen Römischen Reich. Für Wien blieb die Rückgewinnung deshalb ein zentrales Kriegsziel.

Österreich, Großbritannien und Frankreich verbinden die Fronten

Die Bündnisse Europas hatten sich 1756 grundlegend verschoben. Österreich näherte sich seinem früheren Rivalen Frankreich an. Großbritannien wiederum suchte die Zusammenarbeit mit Preußen, weil es sein mit der britischen Krone verbundenes Kurfürstentum Hannover schützen wollte.

Damit trafen zwei Konflikte aufeinander. In Mitteleuropa kämpften Preußen und Österreich um Schlesien und politischen Einfluss. Gleichzeitig rangen Großbritannien und Frankreich um Kolonien, Handelswege und Seemacht. In Nordamerika hatten bewaffnete Auseinandersetzungen bereits vor dem Einmarsch in Sachsen begonnen; weitere Kriegsschauplätze lagen in Indien und auf den Weltmeeren.

Der Siebenjährige Krieg war daher kein ausschließlich deutscher Krieg, der sich später zufällig ausweitete. Entscheidungen in Europa beeinflussten die Verteilung von Truppen, Geld und Schiffen in Übersee. Umgekehrt bestimmte die britisch-französische Rivalität, welche Bündnisse und Unterstützungsleistungen auf dem Kontinent möglich waren.

Großbritannien half Preußen vor allem mit Finanzmitteln und band französische Kräfte in anderen Regionen. Frankreich unterstützte das Bündnis gegen Preußen und führte zugleich Krieg gegen Großbritannien. Die europäischen Schlachten und die kolonialen Kämpfe gehörten zu demselben Bündnissystem, verfolgten aber nicht überall identische Ziele.

Die Encyclopaedia Britannica ordnet den Konflikt in die Jahre 1756 bis 1763 ein und beschreibt seine europäischen wie globalen Schauplätze. Die deutschsprachige Chronologie nennt den Einmarsch in Sachsen am 29. August 1756 als Auftakt des Krieges in Europa.

Was die preußische Besatzung für Sachsen bedeutete

Für die Menschen in Sachsen bestand der Krieg nicht nur aus Feldzügen und diplomatischen Entscheidungen. Eine Armee musste untergebracht, ernährt, bezahlt und transportiert werden. Behörden, Städte und Dörfer hatten Abgaben zu leisten, Quartiere bereitzustellen und Fuhrdienste zu organisieren.

Solche Belastungen waren ungleich verteilt. Wer Vorräte, Pferde oder Wohnraum besaß, konnte unmittelbar von Requisitionen betroffen sein. Handwerker und Händler mussten mit militärisch gelenkter Nachfrage, unterbrochenen Verkehrswegen und unsicheren Zahlungen umgehen. Bauern trugen das Risiko, dass Ernten, Zugtiere oder Saatgut für die Versorgung der Truppen beansprucht wurden.

Die Besetzung Sachsens verschaffte Preußen Einnahmen und Nachschub, verlagerte aber einen erheblichen Teil der Kriegskosten auf das besetzte Land. Wiederkehrende Feldzüge erschwerten eine wirtschaftliche Erholung. Besonders belastend war die Verbindung aus regulären Abgaben, zusätzlichen Forderungen und der Unsicherheit darüber, welche Armee als Nächstes durchziehen würde.

Auch die politische Ordnung geriet unter Druck. Die sächsische Regierung konnte nicht frei über ihr Territorium verfügen, während der Hof außerhalb des preußisch kontrollierten Kernlandes handelte. Für die Bevölkerung blieb Sachsen Heimat und Verwaltungsraum, war militärisch jedoch zugleich Besatzungsgebiet, Nachschubbasis und wiederkehrender Kriegsschauplatz.

Zeitleiste: Vom Einmarsch bis zum Frieden von 1763

  • 1756: Preußen marschiert am 29. August in Sachsen ein. Dresden wird besetzt, die sächsische Armee bei Pirna eingeschlossen und im Oktober zur Kapitulation gezwungen.
  • 1757: Schlachten bei Prag, Kolín, Rossbach und Leuthen zeigen, wie weit sich der Krieg in Mitteleuropa ausgedehnt hat. Eine schnelle Entscheidung gelingt keiner Seite.
  • 1758: Die Kämpfe bei Zorndorf und Hochkirch verdeutlichen den wachsenden Druck auf Preußen und die hohen Verluste des Abnutzungskrieges.
  • 1759: Bei Kunersdorf erleidet Preußen eine schwere Niederlage. Die Gegner können den Erfolg jedoch nicht in eine endgültige Entscheidung umsetzen.
  • 1760: Mit den Schlachten bei Liegnitz und Torgau bleibt der Krieg beweglich. Sachsen wird erneut unmittelbar von Operationen und Versorgungslasten betroffen.
  • 1761: Erschöpfung, Geldmangel und Nachschubprobleme begrenzen die Handlungsmöglichkeiten aller beteiligten Mächte. Preußens Lage bleibt gefährdet.
  • 1762: Ein Herrscherwechsel in Russland führt zum Ausscheiden des Landes aus dem Krieg gegen Preußen. Friedrich II. gewinnt dadurch entscheidenden Handlungsspielraum zurück.
  • 1763: Der Frieden von Paris beendet den großen Kolonialkrieg zwischen Großbritannien und Frankreich. Im Frieden von Hubertusburg schließen Preußen, Österreich und Sachsen Frieden; Schlesien bleibt preußisch.

Der Einmarsch vom 29. August 1756 brachte Preußen zunächst einen strategischen Vorteil, verwandelte Sachsen aber für sieben Jahre in einen zentralen Belastungsraum des Krieges. Sein Verlauf lässt sich deshalb nicht allein anhand berühmter Schlachten verstehen: Ebenso wichtig sind Bündnisse, Versorgung und die Kosten, die der Krieg der Zivilbevölkerung auferlegte.

Quelle: Encyclopaedia Britannica

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